Handzeichen

Handzeichen ermöglichen eine zusätzliche nonverbale Kommunikation, die parallel zur verbalen Kommunikation stattfinden kann. Alle, die gerade nicht reden, können mit ihnen Meinungen und Bedürfnisse äußern oder moderierend in die Redesituation eingreifen. Sie erleichtern somit die Kommunikation in größeren Gruppen und ermöglicht weniger Störungen und einen sinnvolleren Ablauf. Auch für die Moderation sind sie nützlich, weil sie die Gruppenstimmung ausdrücken und weil die gesamte Gruppe im Hintergrund mitmoderieren kann.
Wir finden sie aber nicht nur nützlich, sondern auch schützend. Viele Menschen finden es unangenehm vor Gruppen zu sprechen. Wer zusätzlich noch mit möglichen Buh-Rufen oder gelangweiltem Abwinken konfrontiert wird, wird sich noch viel weniger trauen das Wort zu ergreifen. Mit der Verwendung genau dieser Handzeichen in genau dieser Bedeutung wollen wir zu einem respektvollen und rücksichtsvollen Umgang miteinander beitragen.

Viele von uns kennen diese Art der nonverbalen Kommunikation bereits. Damit es nicht zu Verwirrungen und Missverständnissen kommt wollen wir alle die gleichen Handzeichen mit den jeweils gleichen Bedeutungen verwenden.

Folgende Handzeichen kennen wir aus der Praxis und wollen sie auch weiterhin in der Gemeinschaft verwenden:

Direkte Antwort
direkte Antwort
Mit beiden Händen melden / mit beiden Händen auf die Person zeigen, zu der man eine direkte Antwort hat.

Wenn eine Person eine Direkte Antwort hat wird sie in der Redeliste vorgezogen, damit eine Frage direkt beantwortet werden kann. Dieses Handzeichen soll nicht dazu missbraucht werden eigene Diskussionsbeiträge oder Lösungsvorschläge zu bringen. Es geht lediglich darum kurz eine wichtige Information der Gruppe zur Verfügung zu stellen, bzw. den Gruppenprozess durch eine kurze Information zu beschleunigen.

 
Zustimmung
Zustimmung
Mit beiden Händen neben oder über dem Kopf wedeln.

Mit diesem Handzeichen kann Zustimmung gezeigt werden, ohne den Redefluss zu unterbrechen oder selbst eine Wortmeldung machen zu müssen. Gruppe und Moderation bekommen so ein ständiges Stimmungsbild. Es verkürzt auch die Redezeit, weil nicht alle, die die gleiche Idee, den gleichen Lösungsansatz etc. haben dieses mit einem eigenen Wortbeitrag kundtun müssen.
Wichtig: Es handelt sich hierbei nur um ein Stimmungsbild. Auch wenn viele oder scheinbar alle mit den Händen wedeln heißt das noch nicht, dass ein Konsens gefunden ist. Dieser muss immer verbal (oder schriftlich) von allen bestätigt werden!

Ablehnung
Ablehnung
Mit beiden Händen unten, neben dem Körper wedeln (aber so, dass es alle noch sehen können, auch wenn wir an einem Tisch sitzen).

Mit diesem Handzeichen kann eine Ablehnung einer Idee oder eines Lösungsvorschlags. Wie oben ist dazu kein eigener Wortbeitrag nötig und Gruppe und Moderation erhalten ein ständiges Stimmungsbild.

Lauter
lauter
Beide Hände werden vor dem Körper nach oben geführt, die Handflächen zeigen nach oben.

Mit diesem Handzeichen soll der redenden Person gezeigt werden, dass sie zu leise redet bzw. weiter hinten nicht zu verstehen ist. Das Zeichen kann und soll gerne auch von anderen gespiegelt werden, damit es von der Rednerin / dem Redner möglichst schnell wahrgenommen werden kann.

Cool bleiben
cool bleiben
Beide Hände werden vor dem Körper nach unten geführt, die Handflächen zeigen nach unten.

Mit diesem Handzeichen kann zweierlei signalisiert werden: Erstens kann ich damit der redenden Person zeigen, dass sie zu schnell spricht (Verständnisprobleme). Zweitens kann damit in heftigen, emotionalen, aufgebrachten Situationen signalisiert werden: Beruhigt euch, seid sachlich, lasst uns konstruktiv bleiben.

Sprache
Übersetzung
Mit Daumen und Zeigefinger einer Hand wird ein L gebildet („Language“, engl. für Sprache).

Dieses Zeichen muss nicht nur bei mehrsprachigen Treffen gebraucht werden. Wenn jemand dieses Handzeichen macht sollten alle warten und fragen, was los ist. Es kann bedeuten:

  • Ich brauche eine Übersetzung.
  • Ich brauche noch mehr Zeit, um zu übersetzen.
  • Ich verstehe deine Sprache nicht (Fachsprache), bitte benutze eine einfachere Sprache.
  • Bitte benutze eine weniger diskriminierende Sprache.
    Ich habe ein Wort / mehrere Wörter nicht verstanden. Bitte erkläre sie.

Ich habe verstanden / Wir drehen uns im Kreis
ich habe bereits verstanden
Beide Hände drehen sich umeinander.

Dieses Zeichen soll eine positive Rückmeldung an die sprechende Person sein: Ich habe dich verstanden. Ich verstehe, was du uns sagen möchtest. Da wir es auch aus dem Alltag kennen fühlen wir uns oft durch dieses Zeichen angegriffen, aber wir wollen daran arbeiten es nur als dieses Signal zu deuten und auch zu gebrauchen. Es soll auf keinen Fall dazu verwendet werden das Gesagte zu kritisieren.
Es kann aber auch der Gruppe oder der Moderation signalisieren: Wir drehen uns im Kreis. Manchmal ist der Gruppenprozess zäh und es geht nicht weiter, obwohl immer wieder Leute das Wort ergreifen. An dieser Stelle könnte die Gruppe und / oder die Moderation überlegen, ob eine Pause sinnvoll ist oder der Prozess anders weitergehen könnte.

Technischer Punkt
technischer Punkt
Mit beiden Händen wird ein T (Technischer Punkt) gebildet.

Dieses Handzeichen wird in der Redeliste immer vorgezogen, kann sogar die redende Person (möglichst nicht mitten im Satz) unterbrechen. Es soll nicht dazu missbraucht werden eigene Diskussionsbeiträge oder Meinungen kund zu tun, sondern nur in Notfällen gebraucht werden oder wenn eine sachliche Gegebenheit es sinnvoll erscheinen lässt, den Redefluss zu unterbrechen:

  • Ich habe der Gruppe etwas wichtiges organisatorisches mitzuteilen (das Essen ist fertig, es hat angefangen zu regnen und unsere Sachen stehen noch draußen)
  • Notfälle (es brennt!)
  • Ich brauche dringend eine Pause (in dem Fall natürlich den / die RednerIn noch ausreden lassen)

Prozessvorschlag
Prozessvorschlag
Mit beiden Händen wird ein P (Prozessvorschlag oder „Proposal“, engl. für Vorschlag) gebildet.

Wenn das Gespräch oder der Entscheidungsfindungsprozess zäh ist, sich im Kreis dreht oder festgefahren ist kann dieses Zeichen signalisieren, dass ich einen Vorschlag habe, wie wir auf andere Art und Weise weitermachen können. Dieses Zeichen hat ebenfalls Vorrang vor anderen Wortmeldungen, sollte aber nicht die Rede unterbrechen.

Ruhe:
handglocke-bearbeitet
Statt eines Handzeichens wollen wir eine Glocke verwenden, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass ein Handzeichen nicht viel nutzt, wenn Leute dazwischen quatschen.

Fokus
Fokus-SW
Beide Hände werden seitlich ans Gesicht gelegt (wie Scheuklappen). So schaust du entweder die redende Person an oder die ganze Gruppe (je nach dem wen du meinst).

Dieses Handzeichen zeigt der redenden Person, dass erSie den Fokus verloren hat und du dir wünschst, dass erSie wieder zurück zum eigentlichen Thema kommt. Du kannst dieses Zeichen auch der ganzen Gruppe zeigen, wenn du sagen möchtest: Wir sind abgeschweift, wir wollten über etwas anderes sprechen, lasst uns wieder zu unserem Thema zurückkehren.

 

Redeliste
Statt sich mit einer Hand / dem ausgestreckten Zeigefinger zu melden werden so viele Finger gezeigt, wie der eigene Platz in der Redeliste ist.

Durch diese Selbstmoderation / gruppengeführte Redeliste fällt diese Aufgabe nicht der Moderation zu, besonders gut, wenn es gar keine Moderation gibt. Alle, die etwas sagen wollen verständigen sich durch Augenkontakt miteinander, wer an welcher Stelle steht. Wenn möglich sollten diejenigen, die viel sprechen, anderen die bisher weniger gesagt haben, den Vortritt lassen.

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