Konsens

Warum wir Konsens wollen

Wir müssen Entscheidungen treffen
Das heißt, dass wir uns ein sinnvolles System überlegen müssen, mit dem wir Entscheidungen treffen können. Dieses System sollte möglichst all unseren Werten und Idealen entsprechen und dabei praktikabel und vernünftig sein. Wenn wir kein bestimmtes Entscheidungsfindungssystem haben wird sich die Herrschaft Einzelner oder einiger weniger durchsetzen oder alle werden tun, was und wie es ihnen gefällt. Es wird keine Regeln geben und daher langfristig kein sinnvolles oder gar glückliches Zusammenleben.

 

Wir wollen keine Herrschaft
Niemand soll zu etwas gezwungen werden. Da wir keine Herrschaft wollen – weder von einer äußeren Entität oder Person noch übereinander – brauchen wir ein Entscheidungsfindungssystem, das so funktioniert, dass Herrschaft schon durch das System begrenzt, eingeengt, vermieden wird. Bisher kennen wir nur folgende:

* EinE EinzelneR herrscht über alle anderen (Diktatur, Königtum, Guru…)

* Eine Minderheit herrscht über die Mehrheit (Diktatur, parlamentarische „Demokratie“)

* Die Mehrheit herrscht über Minderheiten (Demokratie)

* Konsens

Da uns bisher nur das Konsenssystem als herrschaftsfreies bzw. herrschaftsverminderndes Entscheidungsfindungssystem bekannt ist, entscheiden wir uns dafür. Sollten wir oder andere irgendwann einmal ein weiteres herrschaftsfreies System erfinden, so können wir uns dann auch für dieses entscheiden. Das ist aber unseres Wissens nach noch nicht geschehen.

 

Wir wollen, dass die Entscheidungen haltbar sind
Entscheidungen, die nicht im Konsens getroffen sind (z.B. Demokratie, Chef) sind nicht so tragfähig, wie Konsensentscheidungen. Denn wer mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, wird sich eher nicht so viel Mühe bei der Umsetzung geben, wie jemand, derDie voll dahinter steht. Auch werden Leute, die mit der Entscheidung nicht einverstanden sind viel weniger oder gar nicht darauf achten, dass andere sich an die Entscheidung halten. Und wenn sich die Leute nicht an getroffene Entscheidungen halten wird es Konflikte geben und eventuell ständig neue Entscheidungsfindungen. Wir wollen aber auch unser Leben leben und nicht ständig bereits getroffene Entscheidungen neu diskutieren.

 

Glück
Wer mit einer getroffenen Entscheidung nicht einverstanden ist, ist damit meist auch nicht glücklich. Wir wollen aber das größtmögliche Glück für uns.

 

Was wir unter Konsens verstehen

* Alle, die von einer Entscheidung beeinflusst werden, die davon betroffen sind, sollen am Entscheidungsfindungsprozess teilnehmen.

* Es wird solange miteinander gesprochen, Lösungen gesucht, Hintergründe, Motive, Ängste, Hoffnungen der anderen ergründet, bis eine Lösung gefunden wird, bei der alle einverstanden sind. Einverstandensein kann bei unserem Konsensmodell heißen:

– ich finde die Lösung ganz toll
– ich finde, dass es nicht die beste Lösung ist, finde es aber ok, diese zu wählen
– es ist mir egal, deswegen stimme ich dem Lösungsvorschlag der anderen zu
– ich finde die Lösung nicht gut, bin aber bereit in diesem Punkt nachzugeben
– ich kenne mich mit diesem Thema nicht besonders gut aus, finde die Erklärungen aber stimmig und vernünftig und vertraue auf eure Einschätzung

* Wenn ich dem Konsens zustimme (einverstanden bin) bedeutet das folgendes:
– Ich beschwere mich im Nachhinein nicht ständig über die Entscheidungen und ihre Folgen.
– Ich habe dem Konsens zugestimmt, mir stand es aber auch frei „Nein“ zu sagen.
– Ich bin für die Konsensentscheidung und deren Folgen genauso verantwortlich wie alle anderen.
– Ich halte mich an die getroffene Entscheidung, auch wenn ich später meine Meinung ändere.
– Wenn ich einer Konsensentscheidung zugestimmt habe, die meinerseits einer aktiven Handlung bedarf, dann darf ich sie nicht durch Passivität blockieren.
– Wenn ich meine Meinung zu einem bereits entschiedenen Thema ändere, habe ich jederzeit die Möglichkeit / das Recht, der Gruppe vorzuschlagen, dass wir statt des bereits getroffenen Konsenses einen neuen Konsens versuchen zu finden. Ob der bereits getroffene Konsens überarbeitet werden soll oder nicht, wird von der betreffenden Gruppe basisdemokratisch entschieden. Falls kein neuer Konsens gefunden werden kann, bleibt der Alte bestehen.

* Wenn eine Konsensentscheidung getroffen wird, dann gehört es immer auch dazu, im Konsens zu entscheiden, wie lange die Konsensentscheidung gelten soll. „Wie lange“ kann definiert sein durch:
– eine konkrete Zeitangabe (z.B. bis 05.05.2018 oder bis Ende 2016 oder von Anfang bis Ende 2016)
– das Eintreten eines bestimmtes Ereignisses (z.B. Unzufriedenheit eines Mitglieds, Erreichen eines bestimmten Ziels, Eintreten vermuteter Probleme)
– die Änderung bestimmter Umstände (z.B. Änderung der Finanzlage, die Arbeitskraft reicht nicht mehr aus, es kommen mehr Gäste)

* Außerdem kann natürlich ein neuer Konsensprozess einberufen werden, wenn sich die Umstände gravierend ändern (z.B. Beinbruch, alle sind unzufrieden, Auto hat Totalschaden).

* Eine Konsensentscheidung sollte immer schriftlich dokumentiert werden → Transparenz

* Ich bin genauso verantwortlich wie alle anderen auch, nach Lösungen zu suchen, die alle möglichst zufriedenstellen.

Wir unterscheiden zwischen dem Konsensideal und dem real existierenden Konsens (siehe oben). Wir wollen uns immer am Ideal orientieren und das ist: Eine Lösung zu finden, die alle voll gut finden.

 

Praxis
Es gibt mittlerweile verschiedene Konsens-Methoden. Für welche wir uns entscheiden oder ob wir sogar unsere ganz eigene erfinden, das wissen wir noch nicht. Wir streben jedenfalls an, uns verschiedene Methoden anzusehen, sie eine Zeitlang auszuprobieren und danach auszuwerten, was wir daran gut fanden und was uns nicht gefallen hat.

Wichtig an diesen Methoden ist uns jetzt schon, dass sie ein Gleichgewicht zwischen Haltbarkeit von Regeln und Entscheidungen und Offenheit für Neuerungen bergen.

 

Homogenität der Werte und Ziele
Wenn wir uns über unsere Werte und unsere Ziele weitgehend einig sind ist es viel leichter einen Konsens zu finden, als wenn wir nur eine zusammengewürfelte Gruppe sind. Denn dann geht es doch hauptsächlich nur noch um das Wie, um den Weg zum gemeinsamen Ziel, aber nicht um das Ziel selbst. Deswegen streben wir eine größtmögliche Homogenität unserer Werte und Ziele an. Auch unsere Beziehungen untereinander sind wichtig für die Konsensfindung. Bei Konflikten fällt es schwerer die Position des anderen zu verstehen, mit Wohlwollen und Liebe auf den anderen zu blicken. In solchen Situationen ist es besonders wichtig, dass wir uns auf Gemeinsamkeiten berufen können.

Wenn diese Gemeinsamkeiten nicht mehr vorhanden sind oder im Laufe der Zeit verblassen und verschwinden wird, es immer schwerer einen Konsens miteinander zu finden. Deshalb streben wir an, dass gerade am Anfang alle mehr oder weniger das Gleiche wollen, dass die Gründungsgruppe sich sehr einig darin ist, was sie will, was ihre Werte sind und wie sie diese leben will.