Spanien

Wieso Spanien?

Uns ist bewusst, dass Deutschland die einfachere, die leichtere Wahl ist. Hier kennen wir uns aus, sprechen die Sprache auf Muttersprach-Niveau, kennen Menschen und Gesetze … Aber Spanien verheißt uns ein so gutes Leben, das wollen wir nicht ausschlagen. Wir gründen nur einmal im Leben eine Gemeinschaft – jedenfalls haben wir das vor – und da wollen wir nach den Sternen greifen! Kompromisse beim Glück machen, das haben wir satt, das haben wir schon oft genug im Leben gemacht, bei diesem, unserem Lebensprojekt wollen wir: „Die ganze Bäckerei!“

Mehr Sonne:
Durch die intensivere Sonnenstrahlung lässt sich durch solarthermische oder Photovoltaik-Anlagen deutlich mehr Energie nutzbar machen.
Mehr Sonnenstunden: Mehr Licht, mehr Vitamin D, weniger Winterdepression.
Längere Vegetationsperiode. Dadurch können wir eine größere Vielfalt während einer längeren Zeitspanne ernten.

Höhere Temperaturen:
Die mittlere minimale Wintertemperatur ist in Spanien deutlich höher als in Deutschland. Das bedeutet, dass wir eine Menge Pflanzen anbauen können, die in Deutschland erfrieren würden oder sich nur im Gewächshaus kultivieren ließen. Damit können wir einen höheren Grad an Selbstversorgung erreichen, bzw. auch tolle Pflanzen anbauen, auf die wir sonst verzichten würden. Stell dir nur vor: Apfelsinen, Zitronen, Oliven, Mandeln, Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen, Edelkastanien, Wein, Feigen, Mangos – Das alles ist möglich und zwar viel einfacher als in Deutschland.

Auch muss im Winter nicht so viel geheizt werden, was uns Energie, Arbeit, Zeit und Geld spart. Auch im Winter kann in Spanien das Leben teilweise draußen stattfinden.

Land-Aneignung
Es ist kaum zu glauben, wie billig in Spanien Land ist! Kein Vergleich mit Deutschland, wo seit einigen Jahren durch Spekulation auch noch der Preis von Agrarflächen unglaublich steigt. In Spanien gibt es sogar viel verlassenes Land und leerstehende Gebäude. Hier könnt ihr euch eine Karte mit verlassenen Dörfern (auf Spanisch) ansehen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Wir streben an solch ein Dorf „geschenkt“ zu bekommen oder es für sehr wenig Geld zu kaufen. Das haben schon einige Projekte gemacht und mit ein wenig Glück kriegen wir das auch hin. Selbst auf dem regulären Immobilienmarkt lassen sich nach ein paar Minuten schon viele spottbillige Grundstücke finden, mit etwas mehr Zeit und Muße werden wir also bestimmt auch das Richtige finden.

Da die Niederschlagsmengen nur an der Nordküste und um Gibraltar herum für uns annehmbar sind, haben wir uns diese Regionen schon genauer angeschaut. Besonders die Nordküste ist für uns interessant: Also haben wir mal Ostdeutschland (denn nur dort käme ein Landkauf überhaupt in Frage) mit dieser Region verglichen. Den von LPGs und Braunkohle verwüsteten Landschaften in Ostdeutschland stehen in dieser Region von Industrie, Bergbau und industrieller Landwirtschaft verschonte Landschaften gegenüber. Auch gibt es ein riesiges und mehrere kleine Nationalpark-Gebiete in der Region! Das Land ist also nicht nur billig, es ist auch wunderschön.

Bevölkerungsdichte
Die Bevölkerungsdichte ist in Spanien, jedenfalls in den Regionen, die für uns in Frage kommen, sehr viel geringer als in Deutschland. Ein Grund für das Leben in Gemeinschaft (Landkommune) ist, die ganzen Spinner, Idioten, Faschisten und Arschlöcher loszuwerden. Wir wollen ein glückliches und friedliches Leben und uns nicht ständig mit unangenehmen Menschen auseinander setzen müssen. Auch bedeuten weniger Menschen immer mehr Sicherheit, denn Gefahren gehen immer von den Menschen aus, kaum je von der Natur.
Abgesehen davon freuen wir uns auf ein Leben ohne Plakate und Werbeschilder, Litfaßsäulen, Werbezettel und so weiter. Je weniger Menschen in einer Region leben, desto weniger davon.
Auch gibt es weniger Lärm (Autos), weniger Müll, weniger Hundekacke… Das ist uns auch wichtig.

Schulpflicht
Die deutsche Schulpflicht scheint uns das normalste der Welt, ganz selbstverständlich. Und genauso selbstverständlich ist es in den meisten Ländern Europas, dass es sie nicht gibt. So auch in Spanien. Aus den Gesetzen lässt sich wohl eine generelle Bildungspflicht ablesen, aber das höchste Erziehungsrecht wird hier den Eltern eines Kindes und nicht dem Staat eingeräumt.
Da selbstbestimmtes Lernen und Leben für uns so wichtig ist, und wir auch „unseren“ Kindern diesen „Knast“ ersparen wollen, kommt eine Regelschule für uns nicht in Frage. Eigentlich wollen wir unsere Kinder auf gar keine Schule schicken müssen. Und wenn wir in Deutschland blieben stellt sich doch auf dem Land immer noch die Frage, welche Alternativschule denn nah genug für tägliche Fahrten sein soll. Lieber ganz drauf verzichten.

Mentalität der Menschen
Überall gibt es Arschlöcher, Sexisten, Faschisten und so weiter. Das ist klar, in Deutschland wohl nicht weniger oder mehr als in Spanien. Aber was sehr spannend und schön ist: In Spanien gibt es einen historischen Anarchismus. In Spanien gibt es Opis und Omis, die gegen die Faschisten gekämpft haben, die immer schon und immer noch AnarchistInnen sind. Und zwar nicht wenig. Das würde mir persönlich den Umgang mit alten Leuten sehr viel schmackhafter machen. Auch ist Anarchie nicht so ein negativ belegtes „Schimpfwort“ in Spanien – jedenfalls nicht für alle. Wir müssen uns damit also nicht mal verstecken.

Sprache
Im Vergleich mit Deutschland für Deutsche (MuttersprachlerInnen) natürlich viel schwieriger. Aber im Vergleich mit anderen Ländern in Europa doch noch ziemlich einfach zu lernen. Spricht nicht unbedingt für Spanien (im Vergleich mit Deutschland) aber doch im Vergleich mit anderen Ländern. Außerdem hat Spanisch den Vorteil, dass es eine Weltsprache ist. Und wir finden: Spanisch klingt auch einfach toll.

Entfernung
Spanien hat für uns den Vorteil, dass es weit genug entfernt ist, dass alle auch wirklich begreifen, dass der Eintritt in die Gemeinschaft / der Umzug in die Gemeinschaft einen Schnitt zu ihrem vorherigen Leben bedeutet. Und das ist ausgesprochen wichtig! Ich kann nicht eine Gemeinschaft aufbauen und gleichzeitig jedes zweite Wochenende mein Kind aus einer vorherigen Beziehung betreuen oder meine kranke Mutter pflegen. Es ist eine große Entscheidung und sie wird für viele schwer sein. Doch je einfacher es ist beide Leben scheinbar zu vereinen, desto schlechter für die Gemeinschaft. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, sich voll und ganz auf den Gemeinschaftsprozess und all die Arbeit einzulassen.
Gleichzeit ist Spanien nicht das Ende der Welt. Gelegentliche Besuche „nach Hause“ oder von FreundInnen in der Gemeinschaft sind also durchaus möglich. Gingen wir nach Columbien oder Indien wäre das schon schwieriger. Tatsächlich wohl unmöglich. Auch das wäre schade. Und auch aus wirtschaftlichen Gründen kann es für uns gut sein, Deutschland relativ schnell und unproblematisch (vor allem günstig) erreichen zu können. Spanien scheint uns daher ein guter Mittelweg zu sein.

Biographisch ist außerdem noch hinzuzufügen, dass Elia Spanien insgesamt einfach angenehmer findet und ihm die Natur dort besser gefällt.