Transparenz

Transparenz ist in vielen Lebensbereichen, besonders beim Leben in Gemeinschaft, wichtig um Herrschaft und Hierarchien zu vermeiden und gleichzeitig Verantwortlichkeit, Selbstbestimmung, vernünftige Entscheidungen und einen positiven Umgang miteinander zu fördern.

Transparenz und Herrschaftsfreiheit
Wenn alle das notwendige Wissen haben um eine Fragestellung zu verstehen und alle Sachinformationen kennen, um sich selbst eine Meinung zu bilden ist es weniger wahrscheinlich dass einzelnen mehr Macht zukommt, um eine Entscheidung zu treffen. Natürlich ist es sinnvoll, dass besonderes Fachwissen bei Entscheidungen nicht übergangen wird, auch wenn nur eineR dieses besitzt. Wir wollen aber anstreben, dass allen ermöglicht wird die relevanten Informationen zu kennen, damit sie mitdenken und -reden können.

Transparenz und Geld
Nur wer weiß, wohin unsere Gelder fließen, wie viel Geld in welchen Topf gesteckt wird, wie viel für was und wie oft ausgegeben wird kann sinnvoll Gel einsparen. Außerdem schafft Transparenz Vertrauen und das ist besonders wichtig bei einer gemeinsamen Ökonomie. Da wir alle die meiste Zeit unseres Lebens ohne gemeinsame Ökonomie gewirtschaftet haben, werden wir sehr viel Arbeit aufbringen müssen, um uns daran zu gewöhnen. Und auch für Entscheidungen ist es wichtig, dass alle die Kassenlage kennen. Bevor ich überhaupt die Frage an die Gemeinschaft stelle, ob wir uns einen Traktor kaufen wollen, kann ich dann erst mal nachsehen, ob wir uns das überhaupt leisten können.

Transparenz und Arbeit
Gerade wenn es um die Arbeit in der Gemeinschaft geht (anerkannte Tätigkeiten) ist Transparenz keine Selbstverständlichkeit. Ich sehe die offensichtlichen Sachen, ich sehe was ich selbst tue und ich sehe, was die tun, mit denen ich zusammenarbeite. Alles andere ist für mich nur schwer oder gar nicht wahrzunehmen. Wir wollen uns aber darum bemühen, dass alle Arbeit transparent gemacht wird. Dabei geht es darum, dass wir allen Arbeiten das gleiche Maß an Anerkennung zollen wollen und nicht nur den Arbeiten (bzw. den Leuten, die sie verrichtet haben), die offensichtlich und besonders sind oder den Leuten, die von sich aus auf ihre verrichteten Arbeiten aufmerksam machen, sondern wirklich allen. Besonders die reproduktiven Tätigkeiten werden oft nicht wahrgenommen, was außerdem noch damit zusammenfällt, dass Frauen ihr Licht oft unter den Scheffel stellen. Anerkennung ist Menschen wichtig und es macht sie glücklich, wenn ihre Gemeinschaft ihre Arbeit anerkennt und wertschätzt.
Es geht aber auch darum, dass alle wissen sollen, welche Arbeiten anstehen, wo es gerade viel zu tun gibt, wo die Arbeit besonders dringend ist und so weiter. Wir wollen nicht, dass einzelne die Gruppe auf Arbeitsmissstände aufmerksam machen müssen, sondern dass alle die Verantwortung dafür übernehmen und tragen, dass alles was getan werden muss, auch getan wird.
Noch etwas: Die Wahrnehmung von uns Menschen ist oft sehr unterschiedlich. Es kann vorkommen, dass ich meine Arbeit als sehr lang und wertvoll einschätze und glaube viel mehr zu tun, als alle anderen. Oder, dass ich denke niemals genug zu leisten und ständig ein schlechtes Gewissen mit mir rumschleppe. Und beides ist völlig unabhängig von der realen Situation. Um Klarheit darüber zu haben, wie viel ich im Verhältnis zu den anderen tue (ob ich mich ruhig auch mal entspannt zurücklehnen kann oder doch mal ein bisschen mehr tun sollte) ist nur schwer zu erkennen. Nur durch schriftliche Transparenz lässt sich das gut vergleichen.

Transparenz und Regeln
Nicht alle Regeln wurden von allen Mitgliedern durchdacht und beschlossen. Jedes Mitglied, das neu dazu kommt, wird mit Regeln konfrontiert, die es schon gab, bevor es dazu kam. Natürlich sollte jedes neue Mitglied diese Regeln schon kennen, allein schon, weil es sich sonst ja kaum dafür entscheiden könnte, Teil der Gemeinschaft zu werden. Aber es wäre doch auch schön und hilfreich, wenn auch erklärt wird, warum wir diese Regeln haben, wie wir dazu gekommen sind. Das ist vielleicht nicht bei allen Regeln für jedes Mitglied gleich wichtig, aber wir können nicht immer wissen, welche Regel erklärt werden muss und welche selbsterklärend ist.
Außerdem wollen wir ja überhaupt, dass sich alle an unsere Regeln halten. Dafür muss aber jedeR sie erst mal kennen. Klingt banal, aber wenn Regeln nicht aufgeschrieben werden und alle wissen, wo sie zu finden sind, wie soll gerade ein neues Mitglied sich dann über unsere Regeln informieren?

Transparenz und Entscheidungen
Bei allen Entscheidungen, ganz besonders aber bei Entscheidungen, die nur von Kleingruppen getroffen werden, ist es wichtig, diese schriftlich zu dokumentieren. Wenn möglich auch mit dem zugrundeliegenden Denkprozess, mit den Informationen, die für diese Entscheidung relevant waren. Es kommt nur allzu oft vor, dass sich verschiedene Menschen ganz anders an eine getroffene Entscheidung erinnern, oder dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern, eine Entscheidung jemals getroffen haben. Woran das liegt, ob das Absicht und Lüge ist oder unterschiedliche Wahrnehmung, darum geht es uns gar nicht. Wir wissen jedenfalls, dass es so ist. Um daraus resultierende Konflikte zu vermeiden (wir können uns schließlich immer noch an der Formulierung aufhängen) sollen Entscheidungen aufgeschrieben werden. Und entweder von allen Beteiligten unterschrieben oder mit einer Notiz versehen werden, wer alles dabei war.

Transparenz und Verantwortung
Nur wer die notwendigen Informationen zu einer Sache hat kann auch Verantwortung dafür übernehmen. Wir wollen, dass alle ungefähr gleich viel Verantwortung tragen und dass diese Aufgabe nicht an einzelnen hängen bleibt. Einzelnen, die das vielleicht sehr belastend finden oder anderen, die daraus Macht schöpfen, die den anderen vorbehalten wird.

Transparenz und Gefühle
Wir wollen Transparenz schaffen über unsere Gefühle. Für uns selbst, aber auch untereinander. Lieber sage ich dem Peter, dass ich gerade nicht mit ihm zusammen arbeiten will, weil ich immer noch wütend bin, weil er mein Schaukelpferd kaputt gemacht hat, statt grummelnd neben ihm zu arbeiten. Damit versaue ich ihm die Laune, mir selbst noch mehr und der Konflikt ist noch immer nicht gelöst. Lieber spreche ich meine Eifersucht von Anfang an an. Lieber frage ich, ob wir diese Entscheidungsfindung noch einen Tag aufschieben können, weil ich gerade noch zu sehr mit meinem Streit von gestern beschäftigt bin. Auch scheint es uns wichtig uns unserer Interpretationen der anderen, unserer „Filme“ bewusst zu sein und sie evtl. auch transparent zu machen: Wir interpretieren die Handlungen, Stimmlagen, Aussagen usw. unserer Mitmenschen ständig und machen dabei leider viele Fehler. Manche wachsen sich dann in unseren Köpfen zu „Filmen“ aus: Denken uns, was der andere damit gemeint hat und damit sagen wollte und eigentlich denkt. Transparenz heißt hier: Diesen Film ansprechen, klären, was da in Wirklichkeit los ist, statt stur auf die eigene Interpretation zu pochen.
Wenn du weißt, was mir wichtig ist, wovor ich Angst habe, was mich beschäftigt und was mich glücklich macht, kannst du auf mich eingehen. Wenn ich weiß, wie es um dich steht, kann ich dir beistehen und dich glücklich machen.

Transparenz und Effizienz
Transparenz ist wichtig, damit nicht alle ständig das Rad neu entwickeln müssen: Wenn ich die Werkstatt aufräumen und mal so richtig organisieren will, der Jochen hat zwei Tage später die gleiche Idee. Ich mach mich ans Werk, habe mir ein tolles System überlegt und schon angefangen, als ich dringend in einem anderen Arbeitsbereich gebraucht werde. Da kommt Jochen in die Werkstatt, findet ein großes Chaos und beginnt mit seinem Sortiersystem. Hätten wir uns abgesprochen, hätten wir transparent gemacht, dass wir die Werkstatt aufräumen und neu organisieren wollten, hätte eineR von uns darauf verzichten können oder wir hätten uns gemeinsam ein noch besseres System ausdenken können. Dinge werden mehrfach gemacht oder angefangen.

Transparenz und Strukturen
Um unsere Strukturen (Entscheidungsfindungsmethoden, Arbeitsverteilung, Finanzverteilung u.v.m.) ständig anzupassen und zu verbessern brauchen wir Transparenz. Nur wenn wir Versuche auch auswerten, können wir wirklich sinnvolle Informationen aus ihnen ziehen. Wenn wir regelmäßig z.B. neue Entscheidungsfindungsmethoden ausprobieren sollten wir jedes Mal hinterher darüber nachdenken und sprechen, wem was gut gefallen hat und wer womit Probleme hatte. So können wir das für uns beste Entscheidungsfindungsmodell finden oder sogar ein eigenes entwickeln.

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